
Kosten & Verträge
Teil von MarTech-Beschaffung
Ablehnungs- und Auswahlgründe dokumentieren
So halten Sie Auswahl- und Ablehnungsgründe für MarTech-Angebote mit Kriterien, Belegen, Angebotsfassungen und offenen Bedingungen fest.
Ein Auswahlvermerk erklärt später, warum ein MarTech-Angebot gewählt und ein anderes nicht ausgewählt wurde. Punktzahlen allein genügen dafür nicht. Halten Sie je entscheidendem Kriterium Befund, Beleg und Bedeutung für die vereinbarte Aufgabe fest.
Den Vermerk während der Prüfung beginnen
Legen Sie einen Eintrag an, sobald ein Angebot ernsthaft geprüft wird. Notieren Sie Anbieter, Angebotsdatum und Fassung, betrachteten Produktumfang sowie die verwendete Kriterienfassung. Ändert sich eine Anforderung, halten Sie Grund, Entscheidung und betroffene Angebote fest.
Trennen Sie Anforderung, Beleg, Bewertung und Entscheidung. „Anbieter A ist flexibler“ ist als Grund zu unbestimmt. Präziser wäre: Eine benannte Änderung kann im angebotenen Umfang durch die vorgesehene Rolle vorgenommen werden; beim anderen Angebot erfordert sie eine zusätzliche Leistung. Beide Befunde brauchen einen Nachweis.
Gründe überprüfbar formulieren
Im Vermerk / Leitfrage
- Kriterium
- Welche vereinbarte Aufgabe oder Bedingung ist betroffen?
- Befund
- Was wurde gezeigt, schriftlich zugesagt oder blieb offen?
- Auswirkung
- Warum beeinflusst der Unterschied die geplante Nutzung?
- Entscheidung
- Auswahl, Ablehnung oder gezielte Nachforderung?
- Bedingung
- Welche Zusage muss im endgültigen Angebot stehen?
Eine Ablehnung kann auf einer nicht erfüllten Muss-Bedingung beruhen. Sie kann auch bedeuten, dass ein anderes Angebot bei den vereinbarten Merkmalen besser zum Bedarf passt. Schreiben Sie diese Gründe auseinander. „Nicht ausgewählt“ ist kein Urteil über die allgemeine Qualität eines Produkts.
Wurde ein Schritt nur beschrieben, schreiben Sie nicht „funktioniert“. Fehlt ein wichtiger Nachweis, dokumentieren Sie die offene Frage und ob sie nachgefordert oder als Risiko akzeptiert wurde. Eine akzeptierte Abweichung braucht eine verantwortliche Person und eine Begründung.
Vergleich: Akzeptierte Abweichung vs. Ablehnung aufgrund von Muss-Bedingungen
- Ablehnung aufgrund nicht erfüllter Muss-BedingungZ. B. fehlende DSGVO-Konformität nach § 24 BLNDSG
- Akzeptierte AbweichungZ. B. zusätzliche Freigaberolle muss beauftragt werden – als Risiko akzeptiert mit verantwortlicher Person
Belege bis zur Vertragsfassung verfolgen
Verweisen Sie im internen Vermerk auf die genaue Angebotsfassung, Vorführnotizen und Antworten auf Rückfragen. Prüfen Sie, ob entscheidende Aussagen zu Tarif, Einrichtung, Support oder Datenrückgabe auch in den Unterlagen stehen, die freigegeben werden sollen.
Ein fiktiver Fall: Zwei Angebote erfüllen die Kernaufgabe. Bei einem gehört eine benötigte Freigaberolle zum angebotenen Umfang; beim anderen müsste sie zusätzlich beauftragt werden. Der Vermerk nennt für beide den Beleg und die Auswirkung auf Aufwand oder Termin. Daraus folgt kein pauschales Qualitätsurteil über die Anbieter.
Den Beschluss abschließen
Nennen Sie die gewählte Option, die tragenden Gründe, die wichtigsten Gründe gegen andere Angebote, verbleibende Bedingungen und die bestätigenden Personen. Bewahren Sie die zugehörigen Fassungen auf, damit sich die Entscheidung später nachvollziehen lässt.
Bei förmlichen Vergaben gelten zusätzliche Vorgaben des jeweiligen Verfahrens; ein interner Vermerk ersetzt sie nicht. Wird eine entscheidende offene Bedingung später anders beantwortet als erwartet, prüfen Sie die Auswahl erneut.
Rechtliche Grundlagen für die Dokumentation von Vergabeverfahren in Deutschland
- Vergaberecht (VgV)
- § 20 VS – Dokumentationspflicht
- DSGVO / BLNDSG
- § 24 BLNDSG – Datenschutzanforderungen
- Beamtenrecht (Bayern)
- Dokumentationspflicht bei Wettbewerbsverfahren
- Digital, Data & Technology Playbook (UK)
- Richtlinien für transparente Entscheidungsprozesse
